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Digitalisierung, Datenschutz und Cloud Computing

Besuch beim offenen IT-Gipfel: Open Source als Innovationstreiber?

von Juliane Waack

23.11.2015 07:30:00

Teamwork_skeeze_PixabayWährend letzte Woche wohl vorwiegend vom IT-Gipfel gesprochen wurde, fand am Mittwoch eine Art Alternativveranstaltung organisiert von den Grünen statt: der Offene IT-Gipfel sollte Open Source, offene Standards und freie Zugänge beleuchten. Und ich war dabei.

Eines vorweg: als parteiliche Werbeveranstaltung war der 2. OITG eher nicht gedacht, weshalb sich die Eigenpromo glücklicherweise in Grenzen hielt (auch wenn hier und da schon einige Bemühungen genannt wurden, die Digitalisierung freundlicher zu gestalten).

Digitalisierung für Anwender

Vor allem ging es hingegen darum, dem IT-Gipfel eine (notwendige) Alternative entgegen zu stellen, denn wie bereits von Netzpolitik hervorgehoben, werden dort Vertreter der Anwender eher ungern gesehen und noch seltener eingeladen. Doch gerade die Anwender sollten mitbestimmen können, wie Software entwickelt wird, welche Schutzvorkehrungen wirklich vorgenommen werden und wie zugänglich grundlegende Erkenntnisse, Informationen und Entwicklungen wirklich sein sollten.

Open Source – komplex, aber notwendig

Hier auf cloud world habe ich bereits einige Male über Open Source-Anwendungen geschrieben. Dabei habe ich insbesondere kleineren Unternehmen oder Selbstständigen mit wenigen oder keinen IT-Kapazitäten davon abgeraten (die Gründe können Sie hier nachlesen).

Doch reden/lesen/schreiben wir einmal über das allgemeine Konzept der Open Source-Initiativen und den idealistischen Gedanken, der dahinter steckt, denn der ist auch für cloudbasierte Anwendungen weitaus mehr als nur reine Codierung.

Ich bleibe dabei, dass sich die Open Source-Bewegung aktuell in einer Umbruchsphase befindet und den Weg zur intuitiven, benutzerfreundlichen Software einschlagen muss, um sich auch im Alltag durchzusetzen. Doch es gibt in der Tat bereits Positivbeispiele, die beweisen, dass die Zeit der technisch komplexen Anwendungen a la Linux zumindest teilweise vorbei ist (es wird diese Anwendungen weiterhin geben, aber es wird auch Weiterentwicklungen geben, die für IT-Laien einfach zu nutzen sind).

Wie Lars Zimmermann, Open IT Agency, in einem Workshop erklärte, ist einer der vielen Vorteile von Open Source-Software (und –Hardware), dass man nicht bei 0 anfangen muss, da viele Leute bereits die Vorarbeit geleistet haben. Man braucht als IT-Unternehmen also nur eine gute Idee, um von da aus seine Ansätze einzubringen (die auch entsprechend kommerzialisiert werden können, wie nicht selten betont wurde). Das spart viel Zeit und Mühe und baut auf dem Wissen anderer auf. 

Und nicht nur für Entwickler, sondern auch für Nutzer von Software sei es praktischer, kostenlose lizenzfreie Anwendungen zu verwenden, da diese immer Zugang zu den Codes bieten und damit offenlegen, wie Verschlüsselungen funktionieren und wie die Software aufgebaut ist. Sie sind entsprechend transparent gegenüber den Anwendern und bieten daher auch vermehrten Schutz. 

In den von mir besuchten Workshops ging es daher vor allem immer wieder um ähnliche Themen:

- Open Source regt den Wettbewerb und die Innovation an

- Open Source ist transparent und sicherer

- Der Verbraucher muss Selbstbestimmung über gekaufte Produkte haben

- Politisch gibt es viel Nachholbedarf

Vor allem die Politik wurde ein wenig in die Mangel genommen, nicht zuletzt, weil beispielsweise die alte Problematik der Störerhaftung dafür gesorgt hat, dass alle Gipfel-Teilnehmer für einen W-Lan-Anschluss einen Zettel unterschreiben mussten.

Ebenso wurde bemängelt, dass die Digitalisierung in den Behörden noch nicht wirklich flächendeckend angekommen ist, da erscheint das Gebot an die Wirtschaft, sich doch endlich zu beeilen, fast zynisch. Denn wenn die Politik selbst keine konsequente Digitalisierungs-Strategie befolgen kann, wird es schwierig, die deutschen Unternehmen dabei zu unterstützen. 

Besonders eines lässt sich mitnehmen:

Noch immer gibt es eine Vielzahl an Open Source-Angeboten, die mehrheitlich für Entwickler, Tüftler und Innovatoren gedacht sind, doch der Markt und die Anforderungen an unsere IT ändern sich und so lohnt ein Blick auf Anwendungen, die nicht nur lizenzfrei sind, sondern auch benutzerfreundlich (einen Überblick über Open Source-Alternativen zu bekannten Lizenz-Anwendungn gibt es übrigens hier).

Die Zukunft: offen oder proprietär?  

Interessant wird, welchen Stellenwert Open Source-Software am Markt zusammen mit proprietärer, sprich kommerzieller, Software a la SaaS (Software as a Service) einnehmen wird. 

Zugleich sollte erwähnt werden, dass Kommerz und Open Source sich nicht ausschließen. Open Source-Software dient als Baugrundlage für andere Anwendungen, die dann auch potenziell als Dienstleistung oder Produkt angeboten werden können. Hier muss allerdings rechtlich geklärt werden, wie mit dem Thema Patentierung und Urheberrecht umgegangen wird, wenn eine Lösung auf Open Source basiert.

Ohne finanzielle Grundlagen können Innovationen auch nur bis zu einem bestimmten Grad entstehen, doch die rein altruistische Seite der Open Source-Community war auch nicht das Hauptthema der Veranstaltung. Vielmehr ging und geht es darum, gleiche technische Grundlagen für alle zu schaffen, um die Entwicklung der Technologie positiv zu fördern. Die Patent-Wut, die insbesondere in den USA absurde Höhen erreicht hat, sorgt für Monopolisten und daher auch für ein kleineres Angebot für Anwender und einseitige Entwicklungen, da nur einzelne Unternehmen entscheiden, was mit Software und Hardware geschieht.

Regenerative, umweltfreundliche, energieeffiziente und nachhaltige Entwicklungen können da schnell ins Hintertreffen geraten, da sie zwar den größtmöglichen Vorteil für Anwender haben, sich aber weniger erfolgreich kommerzialisieren lassen (da sie beispielsweise länger halten und nicht durch Update-Stops obsolet werden). 

Es sei übrigens anzumerken, dass selbst die großen IT-Unternehmen mittlerweile die Vorteile von Open Source erkannt haben und regelmäßig Anwendungen offen legen, wie etwa bei Microsoft und Apple zu sehen. 

Es geht also nicht darum, die „böse“ Bezahlsoftware zu verdammen, sondern vielmehr darum, Transparenz und Offenheit der Architektur zu fördern, um es so beispielsweise Unternehmen zu gestatten, Software-Lösungen intern nach eigenen Anforderungen weiter zu entwickeln, oder aus einem Grundbaukasten die nächste Innovation des Start-up-Marktes zu entwickeln.

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Themen: Nachrichten, Digitalisierung

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